Corona-Epidemie? Politische Sprengkraft der Heinsbergstudie

Die Studie des Virologen Hendrik Streeck weckte Hoffnung. So sieht es danach aus, dass 15 % der Bewohner von Gangelt sind bereits wegen einer erfolgten SARS-CoV-2 Infektion immun. Und das bei einem Anteil von 2 % SARS-CoV-2 Infizierten unter den Studienteilnehmern. Entsprechend der Ergebnisse empfahl Streek, die Maßnahmen zur SARS-CoV-Epidemie langsam wieder einzustellen.

Studie unter Druck

Streek steht unter Druck, denn grundlegende Voraussetzungen, um eine Rücknahme der Maßnahmen wurden nicht erfüllt: So sind, wie am Anfang postuliert wurde, noch keine 60 % Durchseuchung erreicht, und somit eine Herdenimmunität nicht gewährleistet. Auch sind die verwendeten Antikörpertests nicht ausreichend validiert oder unzuverlässig, wie man von renommierten und hoch angesehenen Virologen vernehmen kann. Auch wird jetzt kritisiert, dass eine PR-Firma, eigenständig und aus reiner Eigenmotivation, die Verbreitung der Studienergebnisse unterstützt hat. Es scheint ein Skandal, wenn sich Menschen zusammenschließen, um die Verbreitung politisch relevanter Inhalte vorranzutreiben.

Kritik fragwürdig

Betrachtet man den Sachverhalt aus der anderen Perspektive, dann erscheint die Kritik absurd.
– Der PCR-Test, der zur Feststellung einer SARS-CoV-Infektion angewendet wird, wurde nicht hinreichend validiert.
– Die notwendigen 60 % Durchseuchung, die für eine Herdenimmunität benötigt werden, sind ein reines Postualt. Es gibt gar keine Informationen, die dies auch nur ansatzweise Stützen würden. Ein klassischer Schuss ins blaue.
– Auch die Kritik, eine PR-Firma würde die Verbreitung der Ergebnisse unterstützen, ist absolut absurd, denn die Meinungsfreiheit ist von Grundgesetz gedeckt, und somit steht es jedem Bürger frei, seine Meinung zu äußern, und auch die Verbreitung von Informationen zu Unterstützen. Das nennt sich Demokratie.

Sprengkraft der Studie

Hierzu reicht eine einfache Überlegung. Sollten 15 % der Studienteilnehmer immun sein, und 2 % infiziert, dann stellt sich die Frage, wann sich die 13 % infiziert haben. Die Erkrankung dauert 2-4 Wochen, uns somit müssen diese Studienteilnehmer irgendwann mal eben diesen Zeitraum infiziert gewesen sein. Hier können wir 2 vereinfachte Szenarien annehmen.
(a) Ein durchgängiger Infiziertenanteil in Gangelt von konstant 2 %.
Dafür müssen 6,5 mal 2 % der Bewohner von Gangelt für zwei Wochen infiziert gewesen sein. Dies ergibt dann 13 Wochen, hätte also irgendwann zur Jahreswende 2019/2020 beginnen müssen.
(b) Ein linerarer Anstieg des Infiziertenanteils in Gangelt
Das führt zu einer Verdoppelung der Zeitspanne, also auf etwa ein halbes Jahr.
Es ist offensichtlich, dass einige Virologen die eine SARS-CoV-2 Epidemie postulierten, nicht besonders erfreut von einem Ergebnis sind, welches am ehesten durch ein Vorliegen einer COVID19-Infektion in Deutschland erklärt werden kann, welches einen Zeitraum von 3-6 Monaten voraussetzen würde.

Ausblick

Die Ergenisse der Heinsbergstudie deuten auf einen sehr langes Vorligen einer SARS-CoV-2 Infektionswelle in Gangelt hin. Sollten sich diese Ergebnisse bestätigen, auf die Bundesrepublik als Ganzes übertragbar sein, und nicht anders erklärt werden können als ein längeres Vorhandensein von SARS-CoV-19 Viren in Deutschland, dann Handelt es sich bei der Corona-Epidemie um eine Zeitungsente epischen Ausmaßes. Es ist offensichtlich, dass Hendrick Streek vorsichtig formuliert.

Nachtrag

Herr Drosten kritisiert, dass die Ergebnisse der Studie präsentiert wurden, bevor sie peer-review Verfahren durchlaufen haben. Das ist absolut absurd! Es handelt sich um eine Studie die das Land NRW finanziert hat, und somit um eine Auftragsstudie. Somit hat als einziges das Land NRW das Recht, die Publikation der Ergebnisse zu regulieren. So lange Ministerpräsident Laschet der Meinung ist, die Publikation der Ergebnisse wäre in Ordnung, so lange ist die Publikation in Ordnung.
Ich habe als Wissenschaftler publiziert. Da gibt es Veröffentlichungen die im peer-review Verfahren sind, andere nicht. In jedem Fall kommt es im Anschluss zu einer wissenschaftlichen Diskussion.
Ich teile die Haltung, dass die Ergebnisse transparent gemacht werden müssen, trotzdem ist die Aussage Drostens maximal irreführend. Meinungsfreiheit ist vor allem in der Wissenschaft ein Kernbestandteil.

Veröffentlicht von doktorcorona

Impressum ist unter Beiträge zu finden

8 Kommentare zu „Corona-Epidemie? Politische Sprengkraft der Heinsbergstudie

  1. „Die notwendigen 60 % Durchseuchung, die für eine Herdenimmunität benötigt werden, sind ein reines Postualt. Es gibt gar keine Informationen, die dies auch nur ansatzweise Stützen würden. Ein klassischer Schuss ins blaue.“

    damit liegen Sie wahrscheinlich richtig. Auf ZEIT online heißt es:
    „Die Lübecker Firma Euroimmun, die den Antikörpertest, der in der Heinsberg-Studie genutzt wurde, hergestellt hat, habe diesen zuvor an 1.600 Seren von Blutspendern überprüft, so Streeck. Gehe man davon aus, dass vielleicht fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung schon einmal mit anderen Coronaviren als Sars-CoV-2 infiziert gewesen sein, hätte man bei dem Prozedere auch falsch positive Testergebnisse finden müssen.“

    Warum haben die älteren Corona-Viren nur einen Durchsuchungsgrad von fünf bis zehn Prozent erreicht, um sich nicht weiter zu verbreiten, das neue Virus aber 60% benötigen?

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    1. Streek hätte stärker herausstellen sollen, dass und warum er vom üblichen Wege des peer review abweicht. Herr Drosten hat, als er mit der errechneten Todesrate (0,37%) konfrontiert wurde gesagt, er sei nicht überrascht, das sei ein Wert, den er und seine Mitstreiter auch errechnet hätten. Anschließend kritisiert er dann ein Studiendesign, das ihm überhaupt nicht bekannt ist. Diese Beißerei kenne ich aus meiner Zeit an einer großen deutschen Universitätsklinik.

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      1. Bei einer Auftragsstudie gibt es kein peer-review. Das gilt nur für peer-review Journale. Haben auch andere zu dem Thema einfach Manuskripte in Netz gestellt.

        Grund dürfte klar sein – man kann an Leute geraten, die die Veröffentlichung verhindern wollen. Habe ich selbst erlebt. So „wissenschaftlich“ wie hier getan wird, sind die Wissenschaften gar nicht. Wenn es gegen die eigene Meinung geht, oder gegen das eigene Ego, dann werden Publikationen auch mal gerne grundlos hingerichtet oder durchgewunken. Das heißt, hängt am Editor, der dann die Reviewer bestimmt ob das Ding durchgeht oder abgelehnt/ bis zum Sankt Nimmerleinstag vezögert wird.

        Streek, wie alle anderen auch, können aktuell nur vollkommen in Deckung gehen. Will ja nicht jeder eine öffentliche Hinrichtung wie Wodarg oder Bhakti erleben.

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  2. Da haben sie natürlich recht. Dennoch war Streek ziemlich unvorsichtig. Naja, der Mann ist noch ziemlich jung und genau so ehrgeizig, wie alle, die an der Uni Karriere machen wollen. Prof. Drosten mag ein guter Laborvirologe sein, aber auf einem Auge blind. Er war völlig auf die Anwendung seiner Tests als Diagnoseinstrument fixiert. Hätte man einen Teil der Tests verwendet, um mittels repräsentativer Stichproben auch unsymptomatische Menschen zu erfassen, dann lägen längst Daten über das Verhältnis von Infektiösen zur Todesrate vor. Man hätte die jetzt von ihm als unspezifisch kritisierten Antikörpertests überhaupt nicht gebraucht. Drosten behauptet von seinen Tests ja, sie seien hochspezifisch. Wie dem auch sei. Wenn sich am Ende herausstellen sollte, dass die Pandemie weniger Todesopfer gefordert hat, als befürchtet, dann wird man sich gegenseitig auf die Schulter klopfen und behaupten, ohne die getroffenen Maßnahmen wäre es viel schlimmer gekommen. Der Beweis dieser Behauptung kann dann ebenso wenig geführt werden, wie der Gegenbeweis. Den Kritikern wird man auch dann in den Talkshows keine Plattform bieten. Mehr als die eigentliche Epidemie erschreckt mich die Art und Weise, wie die öffentlich rechtlichen Medien über die Kritiker herfallen und sie mit Verschwörungstheoretikern gleichsetzen. gerge Orwell lässt grüßen.

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    1. To say in this way. 15 % simply doesn´t make any sense according the assumption of a pandamic which should have started with some travelers from china. I´ve just used two bordering cases. The one you propose would be in between. But in the end – we would stay somewhere in between a quater-year and half-year duration.

      Actually I concider the lack of information highly problematic. Decisions were made without sufficient knowledge and yet there is still not enough intrest in politics to take care about it.

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      1. Could it be that the virus cases have declined to 2% from a peak? Especially as only 17% of the Diamond Princess was infected and the Chinese study from Shenzhen found only 15% of the household members of those who’d had the virus also contracted it. What if for some reason the virus only infects around say 15% of people? At least this time around.

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      2. That´s possible. I wrote, an other explanation possible.

        However, explanations for the peak:
        Option A. Social Distancing is hell of effective Option B. However, shut down started in North-Rhine Westphalia the 13th of March (or the 16th – how ever you define it). The study was performed beginning of April. They assume, that die virus was spread during carniaval (end of febuary).

        So 6 weeks. If I assume a linear drop (2 weeks infected), it would have to start at about 8 %. So 8 % or higher and then dropping to 2 %. Since there was little time since the shut down, your argument would indicate, that herd immunity would appear at much lower numbers.

        In the end – we know almost nothing.

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